Tipps für die Online-Lehre

Mit bereits dem zweiten Semester in der Online Lehre habe ich inzwischen ein bisschen Erfahrung mit diversen Techniken für die Online Lehre gesammelt. Da es aber nicht allen Lernenden und vorallem Lehrenden Personen so einfach fällt, möchte ich hier ein paar nützliche Sachen sammeln. Das sind zum einen Tools und Webseiten, die man parallel zur Präsentation verwenden kann, wie zB. Umfragen und Whiteboards. Dazu kommen noch technische Punkte und Ausrüstungen, sowie Lösungen für Software.

Disclaimer: Keine der hier genannten Webseiten, Firmen oder Produkte werden als Werbung genannt und sind auch keine ausdrückliche Empfehlung! Ich möchte nur auf Möglichkeiten hinweisen, zu fast allem gibt es auch mir unbekannte Alternativen, die allesamt im Internet zu finden sind. Ich mache keine Werbung, spreche keine Kaufempfehlung aus und habe auch keine Zuwendungen erhalten!

Zuerst möchte ich die technische Hardware ansprechen. Die meisten Leute haben inzwischen bestimmt eine Webcam mit integriertem Mikrofon. Wenn nicht, man kann günstige Webcams schon ab ca. 30 Euro kaufen. Es gibt Kameras, die haben ein Weitwinkelobjektiv. Bei einer Webcam, die ich selber habe, sind das 110° Blickwinkel. Das kann praktisch sein, wenn eine Tafel gefilmt werden soll, so ist es einfacher, eine Schultafel und einen Overheadprojektor oder eine breite Tafel, wie in Vorlesungssälen, auf ein Bild zu bannen.
Wenn mehrere Sprecher einer Vorlesung oder eines Unterrichts in einem Raum sprechen, so gibt es oft Probleme mit den mehreren Mikros und dabei, diese umzustellen. Einfacher ist es hier, eine Konferenzspinne zu verwenden, die sind mit Richtmikrofonen ausgestattet und können so mehrere Sprecher gut aufnehmen.
Um von einem Computer gut einen Unterricht streamen zu können, braucht man ein bisschen Rechenleistung. Bei einem einfachen Computer hier war zunächst nur ein alter 2 Kerner Intel Pentium verbaut, der sehr an seine Grenzen kam. Für 30 Euro habe ich bei eBay Kleinanzeigen einen gebrauchten i5 der 4. Generation bekommen, der mit seinen 4 Kernen den Rechner viel flüssiger laufen lassen und den Unterricht von lästigen Problemen wie Mikrofon- und Kameraaufhängungen befreit.

Eine weitere Technik ist der Einsatz von Laserpointern. Leider sieht man Laserpointer auf Video schlecht, es gibt allerdings Laserpointer verschiedener Bauarten, die einen grünen oder roten Punkt auch auf den Bildschirm mit den Folien überträgt. Dieser Bildschirm kann dann einfach in den Livestream eingebunden werden. Solche Laserpointer, manchmal auch Gyro Laserpointer genannt, sind leider sehr teuer mit ca 130 Euro.

Bevor ich nun zu zusätzlichen Tools komme, mit denen man eine Vorlesung oder Unterricht interaktiver gestalten kann, möchte ich noch kurz auf das Zusammenschalten von Videospuren eingehen.
Mit der kostenlosen Software OBS Studio kann man seit neuestem unter Windows die Virtuelle Kamera benutzen (unter Mac noch als Plugin). Diese ermöglicht es einem, ein Kamerabild der Lehrenden Person in eine Ecke zu setzen und gleichzeitig Folien oder den Bildschirm zu zeigen. Auch kann man damit zwischen verschiedenen Programmansichten wechseln oder einen „Pause – gleich [Uhrzeit] geht es weiter“ Bildschirm einzublenden. Genauso sieht man den Pegelausschlag und kann ein Limit setzen, um für die anderen Teilnehmer nicht zu laut zu werden.
Man kann auch eine weitere Kamera als Dokumentenkamera einbinden und bei bedarf dort hin umschalten.
Das alles lässt zusätzlich den Unterricht auch gleich viel professioneller wirken.

Es empfiehlt sich allerdings ein zweiter Monitor, um dort OBS (und einen Taskmanager) zu platzieren und dort wie hinter den Kulissen die Videosteuerung vorzunehmen.

Mit MS Teams gibt es dazu noch eine praktische Funktion, hier kann man einfach zB mit einem Tablet dazu in die Veranstaltung gehen und das Tablet als digitales Schreibpapier verwenden. Unter MacOS kann man auch mithilfe einer USB Verbindung sein iPad direkt als Kameraquelle für OBS einstellen. In MS Teams und anderen Videokonferenzen muss man dann nur noch als Kamera die Virtuelle Kamera auswählen.

Nun komme ich zu den verschiedenen Werkzeugen. Darunter sind sehr Informatik spezifische Sachen sowie sehr generelle. Wieder der Dsiclaimer, ich übernehme für den Inhalt der Seiten hinter den Links keinerlei Verantwortung oder Haftung.

Für live Umfragen gibt es einige Tools, die alle einen Blick wert sind. Die Meisten davon habe ich bereits in Vorlesungen, in Präsenz sowie online, erlebt.

https://itempool.com/
https://www.mentimeter.com/
https://trypingo.com/de/
https://kahoot.it/
https://www.sli.do/d

Zum kollektiven Arbeiten, sei es einzeln oder in Gruppen, bieten sich diverse Dienste an. Zum einen gibt es da die google Docs, die müssen aber einzeln freigegeben werden. Hier ist https://etherpad.org/ eine gute Alternative für Textbearbeitung etc.


https://github.com/hackmdio/codimd bietet hier eine Möglichkeit für Informatikunterrichte, gemeinsam Code zu schreiben. In einem Tutorium wird es auch so eingesetzt, dass einmal die Aufgabenstellung bzw das Ausgangscode Snippet reinkopiert wird und jeder Teilnehmende es sich kopiert und selber daran arbeitet. Die Ergebnisse können dann gemeinsam gesichtet werden über den Bildschirm des Dozenten und mit https://jupyter.org/ ausgeführt werden. Hier kann man sich sogar relativ frei die Sprache wählen.

Für grafische Gruppenarbeiten sind Whiteboards gut. https://www.mural.co/ und https://whiteboard.explaineverything.com/ bieten solche Whiteboards, wobei ich mural bereits in einer Vorlesung angewendet gesehen habe, wo wir Bilder von verschiedenen Technologien auf einem Graphen sortieren sollten, was sehr gut geklappt hat.
Es gibt auch noch https://awwapp.com/, was in Übungen gut zum Einsatz gekommen ist.

Wortsammlungen und Mindmaps können zB. auch in Zoom erstellt werden, indem man die Annotationsfunktion freischaltet. Auf diese kann dann am obersten Bildschirmrand neben der Grünen Anzeige zugegriffen werden. Möchte man die sehr Datenschutz ignorierende Zoom Lösung nicht verwenden, so kann auch mit Mentimeter Wortwolken erstellt werden.

Die Verwendung einer bestimmten Konferenzsoftware ist auch strittig. Zumindest das Land Baden-Württemberg hat zum Begin der Pandemie sehr überhastet sehr viele Zoom Lizenzen gekauft und zwingt nun die Universitäten, diese einzusetzen. Dort wiederum werden die Dozenten zur Verwendung von Zoom gezwungen. Allerdings ist sehr von Zoom abzuraten aufgrund der massiven und sehr zahlreichen Sicherheitslücken. Unter Windows kann sogar das Computerpasswort übertragen werden, sodass unbekannte Dritte Zugriff erhalten können. Die Uni Würzburg hat dazu ein gutes Statement veröffentlicht.
Manche Universitäten nutzen parallel noch MS Teams, was besser als Zoom ist, allerdings nicht gut. Es gibt jedoch einige gute und kostenlose Softwarelösungen, allem vorran BigBlueButton. Das dies gut eingesetzt werden kann beweist die Pädagogische Hochschule Karlsruhe. Auch Jitsi ist eine gute und stabile Lösung, ich konnte während der Benutzung sogar beobachten, wie mit zunehmender Anzahl an Nutzern die Verbindung stabiler wurde, wie in einem selbststabilisierenden Netzwerk. Hierfür gibt es einfach zu erreichende öffentliche Server von Jitsi selber und dem Münchener Freifunk.

Ich empfehle aber, wenn einem ein eigener Server zur Verfügung stellt, sich eine eigene Jitsi Installation aufzusetzen. Leider ist die originale Installationsanweisung sehr aufwändig und nicht mit Apache2 kompartibel. Dazu habe ich hier eine Lösung: https://github.com/jitsi/jitsi-meet/issues/2531

Insgesamt kann ich sehr empfehlen, dass auch Schulen ihre Lehre auf die Onlienlehre umstellen. Bei technischen Einfindungsschwierigkeiten können besonders Informatikstudenten helfen. Ich kann mir hier gut vorstellen, dass die Lehrkräfte für ein Taschengeld auch in die notwendige Software mit einem Lehrgang eingeführt werden, zusätzlich zu existierender Literatur. Hier findet man auch Werke zur Didaktik in der Online-Lehre und Webinaren.
Wenn es in den Klassen Probleme gibt mit fehlender Hardware möchte ich gerne auf meinen letzten Artikel verweisen mit einer Idee meinerseits, wie wir alle dazu den Schülerinnen und Schülern helfen können.

Wenn ich weitere Tools finde, werde ich diesen Artikel weiterhin damit aktualisieren.

Bis dahin, bleibt gesund, begebt euch vor Weihnachten in Selbstquarantäne und besucht möglichst eure Großeltern nicht.

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Samuel

Hallo Richard, danke für den coolen Post mit den vielen Vorschlägen für die Online-Lehre! Das Thema ist ja leider gerade auch in den letzten Wochen für die Schulen nochmal deutlich drängender geworden… Mural werde ich mir mal vielleicht noch anschauen – für „Education purposes“ ist das ja sogar kostenlos 😀 Viele Grüße und frohe Weihnachten! P.S.: Auch wenn ich selber aktuell leider nicht die Kapazitäten habe, wollte ich noch anmerken, das ich die Idee für dein Alte-Laptops Projekt ziemlich cool finde. Vielleicht könnte man auch Plattformen wie ebay Kleinanzeigen oder so nutzen um dort dediziert nach Laptops zu suchen bzw.… Weiterlesen »

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