Wie wir unsere Mitmenschen in der Schule unterstützen können

Die Pandemie hat viele Gesichter und Einflüsse. Einer ist definitiv, dass die lange überfällige Digitalisierung im Land ein wenig vorrangetrieben wird. Ein Punkt wird aber immer klarer: die technische Ausstattung der Schülerinnen und Schüler unseres Landes. Über das Jahr hinweg haben wir bereits ein paar Lehrern geholfen, mit der Onlinelehre klar zu kommen. Ein häufiges Argument bei Schwierigkeiten war über alle Bundesländer hinweg, dass es einige Schüler*innen gibt, die keinen Zugang zu einem Laptop oder Tablet haben, um überhaupt an einem Unterricht via Livestream teilzunehmen.

Das sind oftmals entweder Familien, in denen nur ein Laptop existiert, der nun allerdings von den Eltern für das Home Office benötigt wird, oder Familien, die nicht die nötigen finanziellen Mittel haben, um den Kindern ein Arbeitsgerät anzuschaffen. Das ist besonders in einkommensschwachen Familien und bei Hartz-4 Empfänger ein Problem. Die Kinder können allerdings nichts für die finanzielle Lage und sollten auch moralisch gesehen nicht für die potentiellen Fehler ihrer Eltern benachteiligt werden.

In einer Diskussionsrunde zu Pandemieerfahrungen vor kurzem hatte ich dafür eine Idee: Ein älterer Herr und ehemaliger Lehrer erzählte, dass er noch einige Computer und Laptops hat, die er mal zum Elektroschrott bringen müsste. Diese Lage wird bestimmt auch in einigen weiteren Haushalten der Fall sein. Allerdings muss diese Technik nicht auf den Müll (und dann in Afrika verbrannt werden), ganz im Gegenteil!

Als Informatiker habe ich bereits einige Erfahrungen damit gemacht, alte, schwache Laptops wieder flott und benutzbar zu machen, vorallem durch den Einsatz von Linux. Hierbei wähle ich gerne ein leichtes Debian mit einem ressourcensparenden Desktopmanager wie LXDE oder Xfce. Dazu habe ich mir über die Jahre ein Installationsskript erstellt, dass mir automatisch meine standardmäßig benötigte Sotftware installiert und sogar konfiguriert. Das ist natürlich sehr auf die Bedüftnisse eines Informatiker zugeschnitten, aber dass kann man ja leicht ändern.

Meine Idee ist also die Folgende: mit ein paar Verbündeten könnte man einen Spendenaufruf starten, dass Leute ihre alte, nicht mehr benötigten Laptops spenden (anstatt sie auf den Müll zu werfen), vielleicht sogar noch Tastaturen und Mäuse oder Festplatten. Diese Laptops machen wir dann platt, installieren Linux und auserkorene Standardanwendungssoftware darauf und verteilen die Geräte dann an bedürftige Schüler. Das wäre ein Weg, wie wir der Gesellschaft nachhaltig helfen können.

Zum einen reduziert das umweltschädlichen Elektroschrott, zum anderen hilft es, um die Technikkompetenz der zukünftigen Generationen zu unterstützen. Wir als Informatiker und Informatikstudenten sind irgendwo Teil der technischen Bildungselite unseres Landes. Für die technische Ausstattung und Kompetenz unserer Lehrer, Ämter und Politiker können wir uns teilweise nur noch schämen. So können wir der Gesellschaft helfen und gleichzeitig unser Karma Punktekonto aufladen.

Viele Leute sind abgeschreckt von Linux, sie kennen vielleicht nur Windows, Linux ist ja so kompliziert und schwer. Nein, ist es nicht, es lässt sich in den meisten Parts genau wie Windows installieren und einfache Software für Windows läuft dank Virtualisierung auch auf Linux. Um den Schrecken zu nehmen können wir auch einfach eine in html geschriebene Startanleitung auf dem Desktop platzieren, die den Nutzer in die Basics einführt. Sowas wie „Linux ist fast genau wie Windows, keine Angst. Es sieht nur leicht anders aus, aber MS Teams, Jitsi, (Zoom), Officeprogramme, Mails und Browser existieren genau wie bei Windows, so sehen die Icons aus, so bedient man dieses Linux und bei Fragen, so googled man oder wende dich an den Informatiker deines Vertrauens.“

Dazu können wir auch die andere Seite unterstützen, die der Lehrer. Wenn die Schüler alle zuhause bleiben, kann vom Klassenzimmer aus mit Hilfe der Tafel dennoch Unterricht gehalten werden. Einige Webcams haben inzwischen Gewindeaufnahmen für Kamerastative, sodass man eine Webcam mit zB 110° Winkelobjektiv (diese gibt es schon ab ca 30 Euro) vor die Tafel stellen kann. Dazu können wir dem Umgang mit OBS, zum zusammenschalten von Webcam, Bildschirm für Arbeitsblätter, Dokumentenkamera, Pausenbildschirm, etc. lehren. Hier könnte man das Ganze als Lehrgänge gestalten, für die die Lehrende Person auch etwas Geld bekommt, wie bei einem HiWi-Nebenjob.

Wir sind noch lange nicht am Ende der Pandemie und das wird auch nicht die letzte sein, die wir erleben werden. Wir können aber das Beste daraus machen und wieder gesellschaftlichen Zusammenhalt üben, anstatt uns immer weiter zu einer Ellenbogengesellschaft zu entwickeln. Langfristig wird die Lehre so oder so auf den technischen Fortschritt reagieren und Unterrichtsfächer wie Medienkompetenz (Wie gehe ich mit dem Internet um, wie kann man Meldungen und Artikel gewichten, Wie gebe ich nicht zu viele Daten preis etc) werden auch notwendig.

Wenn jemand Interesse daran hat, hieran mitzuwirken, meldet euch bitte bei mir!

Bis dahin liebe Grüße und bleibt Gesund!

Nachtrag:
Auch für alte Macbooks kann man eine neue Verwendung finden! Es gibt eine Variante von Ubuntu, Ubuntu Budgie, das speziell für die Hardware von Macbooks angepasst wurde und auch in dem MacOS Stil gehalten ist. Entsprechend können wir auch diese alten Geräte gut wieder verwenden und flott machen.

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